Tipps, Informationen & ein Erfahrungsbericht

In Australien wird auf der linken Straßenseite gefahren. Aber es ist nur eine Frage der Gewöhnung. Nach ein paar Tagen, etwas Selbstvertrauen und einem wachem Kopf gewöhnt man sich schnell an die neue Situation.

Übersicht zum Linksverkehr:

  • In Australien (und Neuseeland) gilt generelles Linksfahrgebot. Auch auf Straßen mit zwei Spuren für eine Richtung.
  • Nur rechts gelenkte Fahrzeuge fahren in Australien.
  • Nach unsere Erfahrung: Der Kopf schaltet recht schnell von alleine um.
  • Etwas länger bleibt das Abbiegen ungewohnt.
  • Besondere Aufmerksamkeit empfiehlt sich beim Verlassen von Grundstücken, Parkplätzen oder Tankstellen!
  • Tipps und ein "persönlicher Erfahrungsbericht" am Ende des Artikels.
  • Eine besondere Situation in Melbourne Der Melbourne Hook Turn / siehe Video am Ende des Artikels.
  • Besondere Vorsicht - gilt für alle Fahrer aus Übersee - in den ersten Tagen!

Im Linksverkehr mit Camper

Welche Verkehrsregeln in Australien sonst noch anders sind, beschreiben wir unter: Verkehrsregeln in Australien

Was im Fahrzeug anders ist und was nicht

In australischen Fahrzeugen ist das Lenkrad und die Gangschaltung (bzw. Automatik) auf der anderen Seite als bei uns. Glücklicherweise sind Gas-, Brems- und Kupplungspedal nicht auch noch vertauscht. Über zusätzliche, spiegelverkehrte "Fußarbeit" muss man sich keinen Kopf machen.

Der Hebel zum Blinken sitzt jetzt auf der rechten Seite am Lenkrad. Ein häufiges Bild an Kreuzung in Australien: Bei strahlend blauem Himmel Camper mit laufenden Scheibenwischern. Viele Reisende aus Übersee schalten in den ersten Tagen den Scheibenwischer statt des Blinkers ein.

Besonderheiten im Linksverkehr

Das "rechts abbiegen" entspricht dem links abbiegen bei uns. Zunächst müssen entgegenkommende Fahrzeuge durch gelassen werden, bevor man selbst "rechts" abbiegen kann. In Melbourne haben sich die Verkehrsplaner eine noch speziellere Lösung einfallen lassen. Im Video unten mehr dazu.

Der Blick über die "rechte" Schulter sollte zur Gewohnheit werden. Er ist in Australien besonders wichtig. Manchmal braucht es ein paar Tage bis man sich daran gewöhnt hat.

An Straßenkreuzungen ohne Beschilderung gilt wie bei uns rechts vor links.

Gewöhnungsbedürftig: Ausfahrten!

Bleib bitte besonders Aufmerksam bei Ausfahrten von Parkplätzen, Supermärkten, Tankstellen aber auch Camping- oder Rastplätzen!

Sobald wieder auf öffentliche Straßen eingebogen wird - vor allem nach einem längeren Stopp - ist es als gewohnheitsmäßiger "Rechtsfahrer" - sehr leicht sich zu vertun und auf der rechten Seite weiter zu fahren. Nach Ausfahrten kommt es zu solchen kurzen "Aussetzern". Gerade in ländlichen Gegenden, wenn keine anderen Fahrzeuge auf der Straße fahren an denen man sich orientieren könnte.

Fahren auf der falschen Straßenseite ist in Australien kein Kavaliersdelikt! Es gehört zur Kategorie "dangerous driving" was, sollte es zu einem Unfall kommen, hart bestraft wird

Besonders außerhalb von Ortschaften und Ballungsgebieten, bitte mit erhöhter Wachsamkeit solche Plätze verlassen. Dazu gehören natürlich auch Parkplätze von Sehenswürdigkeiten!

Linksverkehr in Australien und Neuseeland

Fußgänger

Nicht nur für Autofahrer gilt besondere Aufmerksamkeit

Ein Reisender der aus einem Land mit Rechtsverkehr kommt, sollte sich besonders aufmerksam die ersten Tage im australischen Straßenverkehr bewegen. Für gewöhnlich dauert es ein paar Tage, bis man sich an den "spiegelverkehrt" fließenden Verkehr gewöhnt hat. Häufig geht der Blick beim überqueren von Straßen zuerst in die falsche Richtung.

In Städten wie Sydney oder London werden Touristen aus aller Welt an Kreuzungen mit großen, weißen Fahrbahnmarkierungen "Look left bzw. Look right" auf die veränderte Fahrtrichtung hingewiesen.

Sicherlich um an diesen Stellen Unfällen mit Fußgängern zu vermeiden, die sonst öfter vorkommen. Sobald man jedoch die große Städte verlässt, fehlt diese hilfreiche Gedankenstütze.

Linksverkehr Hinweis auf den Straßen

Tipps:

  • Sitzt du das erste Mal in einem rechts gesteuerten Camper, nimm dir ein paar Minuten Zeit bevor du losfährst, um ...
    - dich mit Funktionen, Schaltern und Hebeln vertraut zu machen, z.B. auch "wo ist die Hupe oder Schalter für's Warnblicken"
    - dich umzuschauen: Was kann kann alles von der Fahrerposition überblickt werden.
    - in Campernvans und Wohnmobilen die Fenster von Vorhängen und Rollos komplett frei machen. Die können mit einer Schlaufe oder Klett gesichert werden.

  • Außen- & Innenspiegel optimal auf die Sitzposition einstellen

  • Bei Schaltwagen noch im Stand mit der Gangschaltung vertraut machen und die Gänge, bei getretener Kupplung, nacheinander testweise einlegen.

  • Die großen Parkplätze der Vermieter nutzen, um dich mit dem Camper und seinen Dimensionen vertraut zu machen.

  • Falls dort kein Platz ist, nutze einen Parkplatz in der Nähe.

  • Im Auge behalten: Auch auf Parkplätzen gilt "Links fahren". Zunächst immer langsam und mit Ruhe das Fahrzeug steuern. Ein ungeduldiger, hupender Australier hinter dir, ist längst nicht so schlimm, wie ein Schaden mit dem Camper.

  • Achtung Fahranfänger: Vermeide es deine "Fahrkünste" gleich im geschäftigen Berufsverkehr einer australischen Großstadt wie Sydney, Brisbane, Perth oder Melbourne zu testen!

  • REMEMBER: Der Mittelstreifen muss immer RECHTS von dir sein! Wer als Fahrer auf Landstraßen direkt rechts neben sich einen "Seitenstreifen" hat, könnte auf der falschen Fahrbahnseite unterwegs sein!

  • Fahre immer so weit links wie möglich. Auch auf den mehrspurigen Motorways und Landstraßen!

Wie schnell man sich an den Linksverkehr gewöhnt
Ein Erfahrungsbericht:

Als Autor dieser Zeilen kann ich auf einige zigtausende Fahrkilometern im Linksverkehr zurück blicken. Nicht nur während meiner verschiedenen Reisen im Campern durch Australien. Während ich das Konzept dieses Artikels überlegte, stellte ich erstaunt fest, dass ich in der Vergangenheit immer wieder Länder mit Linksverkehr bereist habe: Jamaika - Indien - Thailand - Indonesien - Malaysia - Hongkong - Singapur - Neuseeland. Überall wird auf der linken Seite gefahren!

Anfang der 90er lebte ich auch einige Zeit in England. Ich kann daher durchaus behaupten, etwas Erfahrung mit Linksverkehr vorweisen zu können. Die Umstellung erscheint Anfangs kompliziert. Nach ein paar Tagen geht das jedoch fast immer automatisch ins Blut über.

Bei mir war es bisher meist so, dass sich im Kopf irgendwann eine Art Schalter umlegte. Egal ob auf dem Motorrad in Thailand oder Indonesien, im Miet-PKW in Jamaika, Malaysia oder Indien, im Camper in Australien und Neuseeland oder als Fußgänger in Hongkong und Singapur.

Wenn der Kopf es akzeptiert hat, dass jetzt alles aus der anderen Richtung kommt, nutzt er scheinbar irgendwann die alten Erfahrungen aus dem Rechtsverkehr und spiegelt diese einfach nur. Zu selbstsicher oder überheblich sollte man allerdings nicht werden. Das könnte ins Auge gehen!

An meine erste Fahrt in England erinnere mich gut. Direkt von der Fähre in Harwich, ging es kurze Zeit später gleich durch die Londoner Innenstadt. Ich musste in den Londoner Westen. Die Umfahrung über den Autobahnring erschien mir zu lang und aufwendig. Nicht eine meiner besten Ideen! Der Unterschied, zwischen der breiten, englischen Autobahnen und dem hektischen Treiben, in einer der belebtesten Innenstädte der Welt, ist im Linksverkehr für den gelernten "Rechtsfahrer" noch einmal eine ganz besondere Erfahrung!!!

In den ersten Tagen war alles noch etwas angespannt und ich musste mich deutlich mehr konzentrieren. Aber mit der Zeit scheint das Gehirn tatsächlich die neue Situation zu akzeptieren. Die Wahrnehmung verläuft immer öfter wie beim gewohnten "Rechtsverkehr" nur eben gespiegelt!

Verkehrsschilder, Fußgänger, der Blick über die "rechte Schulter" beim abbiegen. Als hätte man es nie anders gemacht, geht es nach einiger Zeit in Fleisch und Blut über. Der Mensch ist zwar ein Gewohnheitstier aber sein Gehirn glücklicherweise sehr flexible und besonders anpassungsfähig. Vor allem wenn sich Dinge ständig wiederholen.

Deshalb sei auch aus Erfahrung gesagt, dass mit etwas Ruhe und Gelassenheit, du dich sicher recht schnell an diese grundlegende Veränderung im Straßenverkehr gewöhnen wirst. Selbst die Umstellung auf das rechts gelenkte Fahrzeug vollzieht sich dann für gewöhnlich ziemlich problemlos.

Mein wichtigster Tipp: Nur eines sollte man als jahrelanger "Rechtsfahrer" wirklich im Auge behalten ... Ausfahrten! Wie bereits oben beschrieben, war es auch für mich die Herausforderung, mein Gehirn "nach" der Ausfahrt immer wieder auf "Linksverkehr" zu stellen!

Der Melbourne Hook-Turn

Melbournes Besonderheit: Der berühmt, berüchtigte "Melbourne Hook-Turn"

Nur in der Hauptstadt des Bundesstaates Victoria gibt es diese ganz besondere Rechtsabbieger-Regel. Den Hook-Turn, der an den entsprechenden Kreuzungen mit einem für Europäer oft verwirrenden Hinweisschild angekündigt wird.

Melbourne Hook Turn

Rechtsabbieger müssen sich hier vor der Kreuzung in die äußerste linke Spur einordnen. Dann rechts blinken! Sobald die Ampel auf grün springt, fährt man in der äußersten, linken Spur auf die Kreuzung und wartet direkt neben Fußgängerübergang. Wichtig ist nun die Ampel des kreuzenden Verkehrs im Auge zu behalten. Erst wenn diese auf grün springt - und beide Richtung frei von fließendem Verkehr sind - darf über alle Spuren nach rechts abgebogen werden.

Klingt kompliziert, ist aber leider so. Wer ein paar mal dieses merkwürdige Abbiegen praktiziert hat, wird sich allerdings auch darauf schnell einstellen können. Und gibt es so zum Glück nur in Melbourne. Ein sehr gutes "how to do - Video" zum Hook Turn von der Straßenverkehrsbehörde Victorias :

VIDEO von VicRoads: Wie ein "Hook Turn" in Melbourne funktioniert

©Fotos: S.Hopf /S.Bendisch /Straßenmarkierung: Travellers Autobarn/ Straßenschild: Wikimedia (Public Domain)
Aktualisiert: August 2019

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